Gedankenkonfetti

Ideen aus Tinte und Papier

Tipps & Tricks für Nachwuchsautoren

Ideen kommen und gehen. Und was uns auf dem ersten Blick als genial erscheint, verwerfen wir im nächsten Moment wieder. Manchmal jedoch, lässt uns ein Gedanke gar nicht mehr los und man träumt vom schreiben, überraschenden Bestsellern und dem vermeintlich traumgleichen Dasein als Autor. Doch die Euphorie hält nicht lang, denn hat man erstmal angefangen, folgen auch schon die ersten Stolpersteine. Formatierung, Rechte, Veröffentlichung… hinter einem Buch steckt so viel mehr als ein einfaches Word Dokument. Worauf muss ich achten? Plötzlich fehlen einem die Worte, nichts wirkt so wie man das eigentlich ausdrücken wollte und wozu überhaupt schreiben, wenn die Verlage einen sowieso nicht entdecken?

„…das erste Buch ist nicht gleich der Beginn als Autor. Man wächst mit der Zeit und an seinem Schreiben.“

Melanie über ihre ersten Versuche

Melanie, selbst Autorin, war so zauberhaft und teilt ihre Erfahrungen mit euch. Sie schrieb schon in der Schulzeit und bringt noch heute ihre vielen Ideen gerne aufs Papier. Sie studierte Buchwissenschaft in Mainz und ist auch weiterhin in der Buchbranche tätig. Ihr Debütroman „Lost control“ (2014) erschien unter dem Pseudonym Melanie Rush beim Sieben-Verlag.  Weitere Werke folgten im Self- Publishing.

Hiermit geben wir das Wort an Melanie. Viel Spaß!

Tipp #1 Übung macht den Meister 

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Weder J.K. Rowling noch Stephen King haben mit ihren allerersten Texten ernsthafte Chancen auf eine Veröffentlichung gehabt. Bücher zu schreiben ist nicht nur Talent, sondern auch Handwerk, daher ist nicht alles sofort perfekt, selbst wenn es euch beim ersten Aufschreiben so vorkommt. Übung ist hier das Stichwort.

Meine ersten Geschichten habe ich während meiner Schulzeit geschrieben. Sie fingen als Kurzgeschichten an und wuchsen mit der Zeit zu Romanen heran. Ich habe zwei Manuskripte mit über 300 Seiten beendet, bevor ich überhaupt erst den Entwurf zu meinem ersten veröffentlichten Roman schreiben konnte. Ihr seht also, das erste Buch ist nicht gleich der Beginn als Autor. Man wächst mit der Zeit und an seinem Schreiben.

Daher schreibt, schreibt, schreibt! Und lest! Denn vom Lesen anderer Texte könnt ihr ebenfalls eine Menge lernen. Ob das Plotstrukturen, Charakterentwicklung oder Worldbuilding ist, schaut euch an, wie es andere Autoren machen. Was gefällt euch an dem Buch, das ihr gerade lest? Wie sind die Charaktere gezeichnet? Welche Merkmale hat das Genre? Das sind alles Fragen, die euch dabei helfen können, selbst besser zu werden.

Tipp #2 Schreibt, was ihr selber gerne lesen wollt

Wenn ihr für eure Geschichten nicht brennt, solltet ihr es vielleicht sein lassen. Schreibt nur, was ihr gerne lesen wollt. Ihr mögt Thriller und habt da eine echt blutrünstige Idee im Hinterkopf? Dann schreibt sie auf!

New Adult-Liebesromane sind gerade der Renner und ihr wollt euch daran probieren? Okay, versucht es. Aber wenn euch persönlich das Genre nicht gefällt und ihr keinen Spaß daran habt, wird man es eurem Schreiben in irgendeiner Weise anmerken.

Man sollte sich nicht von Trends beeinflussen lassen, die einem nicht zusagen. Schreibt, was ihr wirklich liebt und worin euer Herzblut steckt. Es muss nicht immer Einheitsbrei sein. Seid ruhig besonders und hebt euch ab!

„Jeder fängt einmal klein an. Das ist als Autor nicht anders als irgendwo sonst.“

Melanie

Tipp #3 Sucht euch eine Community

Schreiben ist eine einsame Tätigkeit. Ihr sitzt vor eurem Laptop und schreibt allein in eurem kleinen Kämmerlein. Klar, da sind eure Charaktere, die euch die ganze Zeit über begleiten, aber reale Menschen, mit denen ihr euch unterhalten könnt, sind manchmal so viel besser. 😉 Dank Facebook und Co. gibt es heutzutage viele Möglichkeiten, sich als Frischling mit anderen auszutauschen. Eine solche Community, die ich euch auch persönlich sehr empfehlen kann, ist die Schreibnacht  (außerdem sind sie hier und hier zu finden).

Die Schreibnacht ist für Jedermann, egal ob ihr bereits veröffentlicht habt, noch veröffentlichen wollt oder nur für euch schreibt. Einmal im Monat gibt es die namensgebende Schreibnacht, bei der Experten aus der Branche für eine Stunde Fragen beantworten und gemeinsam geschrieben wird. Jede Stunde gibt es kleine Aufgaben, die gelöst werden können, und man kann sich mit sämtlichen Schreibfragen an die Community wenden. In manchen Regionen gibt es sogar Offline-Treffen, wo man sich von Angesicht zu Angesicht austauschen kann und tolle Freundschaften entstehen können.

Ich kann euch nur dazu raten, sucht euch Leute, mit denen ihr über das Schreiben/eure Geschichten reden könnt, ob online oder offline, das ist eure Entscheidung. Ihr werdet dadurch wachsen, das verspreche ich euch.

Tipp #4 Testleser sind unglaublich hilfreich


„Denn jeder Autor wird betriebsblind.“

Wenn ihr euch dafür entschieden habt, eure Geschichte veröffentlichen zu wollen, dann sind Testleser für euch unerlässlich. Egal, wie oft ihr euer Manuskript lest, ihr werdet niemals alle Fehler finden können. Denn jeder Autor wird betriebsblind. Wie sagt man so schön? Man sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Das wird euch auch passieren, weshalb Testleser so wertvoll sind.

Aber nicht nur in Hinblick auf Rechtschreibfehler, sondern auch für mögliche Plotlöcher. Daher solltet ihr genau überlegen, wen ihr als Testleser engagiert. Freunde oder Familienmitglieder sind oft die ersten Anlaufstellen, doch kann es sein, dass ihr bei diesen kein ehrliches, konstruktives Feedback bekommt. Sucht euch deshalb lieber neutrale Testleser, beispielsweise andere Schreiberlinge oder Leser aus Buchcommunitys, aber begrenzt sie auf eine kleine Truppe, die eurem späteren Lesepublikum auch entsprechen. Dann setzt ihr ihnen einen Termin und gebt ihnen bestimmte Aufgaben. Stellt ihnen Fragen: Sind die Charaktere realistisch? Was gefällt dir nicht? Gibt es irgendwo Unklarheiten im Plot? Das wird nicht nur euch, sondern auch den Testlesern helfen.

Tipp #5 Verlag oder Self-Publishing?

Die große Frage, die sich jeder heutzutage stellt, der sein Buch veröffentlichen möchte: Soll es in einem Verlag geschehen oder allein im Self-Publishing? Beide Wege haben ihre Vor- und Nachteile und es richtet sich immer auch nach Projekt und Autor. Beispielsweise lassen sich Kurzgeschichten im Self-Publishing eher realisieren als mit einem Verlag, gerade als neuer Autor und ohne Verlagsausschreibung. Andererseits seid ihr bei einem Verlag zumindest finanziell auf der sicheren Seite. Daher müsst ihr euch einige große Fragen stellen:

Möchtet ihr euch um Cover(-designer), Lektor, Druck, Werbung, und so weiter selbst kümmern oder soll das ein Verlag für euch machen?

Seid ihr bereit, das finanzielle Risiko zu tragen, wenn das Buch nicht genug Geld für eure Ausgaben (Cover, Lektor, Werbung, etc.) einbringt?

Habt ihr Spaß an Social Media und habt bereits einige Follower oder ist Selbstvermarktung ein Graus für euch?

Tipp # 5.1 Entscheidung Self-Publishing

Habt ihr euch für das Self-Publishing entschieden, dann habe ich hier ein paar Tipps für Neueinsteiger:

1. Titelschutz:

In Deutschland ist ein Buchtitel ab Veröffentlichung automatisch geschützt, weshalb es nicht mehrere lieferbare Bücher mit demselben Titel gibt/geben darf. Ausnahmen sind Titel mit einem Wort, die nicht einmalig sind, z.B. Haus oder Kafka. Oft schützen Verlage die Titel ihrer angekündigten Bücher bereits im Vorfeld im Börsenblatt, im Buchreport oder anderen brancheninternen Stellen. Daher solltet ihr euch vorher informieren, ob euer geplanter Titel nicht möglicherweise schon vergeben ist. Untertitel sind übrigens meist von diesem Titelschutz ausgeschlossen.

2. Preiskalkulation:

Überlegt euch, wie hoch der Preis eures Buches werden soll. Schaut euch bei anderen Autoren um, die im gleichen Genre schreiben und deren Bücher einen ähnlichen Umfang haben, und richtet euch ein wenig danach. Beachtet aber auch die Marge, die ihr bei den jeweiligen Preisen bekommen würdet und ob das für euch okay ist.

3. E-Book, Print oder beides? Und wo?

Wollt ihr euer Buch nur als E-Book herausbringen oder auch als Print? Das muss euch vorher bewusst sein. Dementsprechend müsst ihr euren Distributor auswählen. Bei Books on Demand (BoD) könnt ihr alles machen und seid damit im gesamten deutschsprachigen Buchhandel vertreten. Wollt ihr nur das Print mit BoD und euer E-Book nur bei Amazon veröffentlichen, dann müsst ihr euch mit Kindle direct Publishing (KDP) auseinandersetzen. Bedenkt, dass euer E-Book dann nicht im stationären Buchhandel wie Thalia zu finden sein wird und ihr damit einige Kunden möglicherweise nicht erreichen könnt. Um das zu verhindern, ist Neobooks noch eine mögliche Alternative euer E-Book zu veröffentlichen.

(Noch eine kleine Notiz am Rande: BoD und Neobooks erledigen für euch automatisch die Abgabe der Pflichtexemplare an die Deutsche Nationalbibliothek.)

4. Veröffentlichungstermin:

Überlegt euch, wann ihr euer Buch veröffentlichen und ob ihr es vorbestellen lassen wollt.

Habt ihr einen Sommerroman geschrieben, wäre eine Veröffentlichung im Winter eher nicht zu empfehlen, dort werden eher weihnachtliche Romane gekauft.

Wenn ihr euer Buch eine bestimmte Zeit lang vorbestellen lassen wollt, müsst ihr darauf achten, bis wann ihr euer Manuskript spätestens beim Distributor fertig hochgeladen haben müsst, damit ihr euren Termin einhalten könnt.

Tipp #5.2 Entscheidung Verlag

Habt ihr euch für den Verlag entschieden, dann sind hier zwei Tipps für alle Debüt-Autoren:

1. Agentur

Sucht euch eine Autorenagentur!

Es ist gerade für Nachwuchsautoren, die bisher noch nichts veröffentlicht haben, so gut wie unmöglich, im Berg der vielen, vielen, vielen unverlangt eingesandten Manuskripte der Verlage herauszustechen und tatsächlich genommen zu werden (Ausnahme Kleinverlage, die meist nicht ganz so viele unverlangte Manuskripte bekommen). Daher versucht es eher bei einer Agentur. Zwar ist es dort auch nicht gerade leicht, herauszustechen, aber wenn ihr erst einmal eine gefunden habt, die euch vertreten möchte (und euren Anforderungen entspricht), dann ist der Weg zum Verlag um einiges leichter für euch. Denn der Agent hat bereits Kontakte bei Verlagen und die Verlage vertrauen der Agentur, dass der ihnen wirklich etwas Passendes und Interessantes anbietet. Die Agentur kümmert sich neben der Vermittlung eures Manuskriptes an einen Verlag übrigens auch um eure Honorabrechnungen und vertraglichen Sachen, sobald ihr das Buch mit einem Verlag veröffentlicht habt. Zudem nimmt die Agentur erst Geld, wenn euer Buch erfolgreich vermittelt wurde. In der Regel bekommt der Agent dann 15% eures Honorars.

2. Vorsicht vor Druckkostenzuschussverlagen (DKZV) !!!

Viel zu viele Nachwuchsautoren fallen auf die sogenannten Druckkostenzuschussverlage (DKZV) herein. Dies sind Verlage die für die Veröffentlichung Geld berechnen*. Hier, so meine persönliche Einschätzung, wird mehr auf Quantität statt Qualität gesetzt. Fallt bitte nicht darauf rein! Ein richtiger Verlag trägt das finanzielle Risiko für euch und zahlt euch ein Honorar. Ihr zahlt weder vorher noch nachher etwas!

*Im wissenschaftlichen Bereich verhält sich das anders.

Tipp #6 Das beste kommt zum Schluss

Lasst euch nicht unterkriegen! Hab ihr den Weg Veröffentlichung gewählt, egal ob im Verlag oder im Self-Publishing, dann müsst ihr damit rechnen, dass euer Buch nicht jedem gefallen kann. Schlechte Rezensionen schmerzen jedem Autor, aber man muss lernen damit zu leben. Vielleicht könnt ihr euch sogar weiter entwickeln, wenn sie konstruktiv gestellt ist, ansonsten hilft nur ignorieren. Geschmäcker sind verschieden und das ist auch gut so. Euch gefallen ja auch nicht alle Bücher, die es gibt. Und manche Leute müssen einfach alles schlecht machen. 😉 Also, haltet die Ohren steif!

Das waren auch schon meine Tipps für euch. Ich hoffe, ich konnte euch ein paar Fragen beantworten und weiterhelfen in Hinblick auf euer Autorendasein. Ihr findet mich auf Facebook. Solltet ihr noch irgendwelche Fragen haben, könnt ihr euch gerne bei mir melden und ich versuche, euch zu helfen.

Bis dahin, habt Spaß beim Schreiben! 😀

Eure Melanie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.